Kulturelle Bildung gehört von Anfang an in den Ganztag

Berlin (ots) –

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung tritt in Kraft. Doch die entscheidende Frage lautet nicht nur, ob genug Plätze entstehen – sondern auch, wie kindgerecht und chancengerecht Ganztag gestaltet wird. Expert*innen sind sich einig: Kulturelle Bildung kann Bildungsgerechtigkeit maßgeblich stärken. Bei der Zukunftskonferenz Ganztag arbeiteten Akteur*innen aus Kultur, kommunaler Verwaltung, Schule und Jugendarbeit an Zukunftsvisionen und dazugehörigen Maßnahmen, die für eine Verankerung Kultureller Bildung im Ganztag und ihrer strukturellen Integration in die Bildungslandschaft nötig sind.

„Jo, wir schaffen das!“ – so motivierte die Bühnenpoetin Meike Harms die Teilnehmer*innen zum Ende der Zukunftskonferenz Ganztag der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ) am 2. und 3. Juni 2026 in Berlin. Rund 120 Teilnehmer*innen und Mitwirkende diskutierten bei der Veranstaltung, wie Ganztag künftig chancengerecht, qualitativ stark und kindgerecht gestaltet werden kann – und welche Rolle Kulturelle Bildung dabei von Anfang an spielen muss.

Unter dem Titel „Ziele bündeln, Zukunft gestalten – Kulturelle Bildung im Ganztag zwischen Rechtsanspruch, Kooperation und Praxis“ brachte die Konferenz Vertreter*innen aus Kommunen, Landes- und Bundesministerien, Verwaltung, Wissenschaft, Schule, Kultureller Bildung sowie weiteren non-formalen Bildungsbereichen, Trägerstrukturen, Verbänden und Interessenvertretungen sowie Schüler*innen und Eltern zusammen, um gemeinsam Perspektiven für einen qualitativ starken Ganztag zu entwickeln.

Ganztag braucht Kulturelle Bildung

Die Teilnehmer*innen waren sich einig: Bildungsgerechtigkeit lässt sich nicht allein durch die Bereitstellung von Betreuungsplätzen verwirklichen. Ganztag muss als ganzheitlicher Bildungs- und Lebensraum verstanden werden, der konsequent vom Kind aus gedacht wird, Teilhabe, Mitbestimmung und individuelle Entwicklung ermöglicht und die bisherige strikte Trennung zwischen formalem Lernen am Vormittag und non-formalen Angeboten am Nachmittag überwindet. „Es ist wichtig, dass der Ganztag bewegt gestaltet wird und Bereiche wie Kulturelle Bildung und Sport stärker zusammen kommen, um gemeinsame Ganztagsprojekte umzusetzen“, betonte Ute Barthel, Referentin für Schule, Jugendhilfe und Verein bei der Deutschen Sportjugend e. V.

Die Teilnehmer*innen arbeiteten entlang unterschiedlicher Themenschwerpunkte und analysierten, wie der Ganztag historisch gewachsen ist, beschrieben seine heutige Realität aus unterschiedlichen Perspektiven und entwickelten gemeinsam Zielbilder für einen qualitativ starken, kooperativen Ganztag der Zukunft. Gemeinsam formulierten sie die Vision eines kooperativen Bildungsnetzwerks, in dem unterschiedliche Professionen und Perspektiven gleichwertig zusammenwirken. Getragen werden soll es durch verbindliche Zusammenarbeit, die strukturelle Verankerung Kultureller Bildung, Sozialraumorientierung sowie verlässliche Rahmenbedingungen in Form von Qualitätsstandards, Qualifizierung und auskömmlicher Finanzierung. Dass hierfür neben guten Konzepten auch konkrete Voraussetzungen geschaffen werden müssen, unterstrich Birgit Bischer vom Ganztagsträger PaedAktiv in Baden-Württemberg: „Wir brauchen Organisation, aber auch Ressourcen. Vor allem brauchen wir verbindliche Qualitätskriterien zur Integration von Kultureller Bildung in den Ganztag.“

Am zweiten Konferenztag stand die gemeinsame Maßnahmenplanung im Mittelpunkt. Dabei wurde deutlich: Ein qualitativ hochwertiger Ganztag entsteht nicht durch einzelne Angebote, sondern durch verlässliche Strukturen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene, gemeinsame Qualitätsmaßstäbe und eine langfristig gesicherte Finanzierung. Vor allem aber muss der Ganztag konsequent vom Kind aus gedacht werden und als gemeinschaftliche Aufgabe von Bildung, Kultur, Jugendhilfe und Politik gestaltet werden. Wie wichtig dabei lokale Netzwerke und regelmäßiger Austausch sind, verdeutlichte Ulrich Diekmann, Geschäftsführer des Sozialwerks für Bildung und Jugend in Olsberg: „Ich wünsche mir, dass die Netzwerknotwendigkeit auch von offizieller Seite gesehen wird. Dass man mindestens einmal im Jahr alle Beteiligten an einen Tisch holt und fragt: Was bewegt euch? Welche Projekte gibt es? Wo können wir zusammenarbeiten? Denn ganz allein kommt man oft nicht weiter.“

Die BKJ wird die Konferenzergebnisse für die Weiterentwicklung ihrer Positionen nutzen und in den fachpolitischen Diskurs einbringen. Sie setzt sich weiterhin für die strukturelle Stärkung Kultureller Bildung im Ganztag und die Interessen ihrer Mitglieder ein.

Hintergrund: Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung

Ab dem 1. August 2026 gilt in Deutschland der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für neu eingeschulte Grundschulkinder. Er wird in den Folgejahren bis 2029 schrittweise auf alle Kinder der Klassen 1 bis 4 ausgeweitet und umfasst acht Stunden Betreuung an Werktagen sowie Ferienbetreuung mit Ausnahme von maximal vier Schließwochen.

Über die BKJ

Die BKJ ist der Fach- und Dachverband für Kulturelle Bildung in Deutschland. Sie setzt sich für die Verwirklichung der Rechte aller jungen Menschen auf kulturelle Teilhabe, gesellschaftliche Mitwirkung und gerechte Lebens- und Bildungschancen ein. Sie engagiert sich für den Ausbau und die qualitative Weiterentwicklung von Kooperationen im Ganztag sowie für die Stärkung von Trägerstrukturen, Kommunen und multiprofessioneller Zusammenarbeit. Darüber hinaus fördert sie die Verankerung Kultureller Bildung in Bildungslandschaften und ganztägigen Bildungssettings.

Pressekontakt:
Ann-Christine Pilder
Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ)
[email protected]
030 48 48 60-18
www.bkj.de
Original-Content von: Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ), übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots

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