Frankfurt am Main (ots) –
Entwurf zum Altersvorsorgereformgesetz:
Trendverstärker mit Fehleinschätzungen
– DIVAX-GA auf hohem Niveau stabil
– Politik will Trend zu aktienbasierten Altersvorsorge verstärken
– Notwendigkeit persönlicher Beratung wird unter-, Neobroker werden überschätzt
Der Deutsche Geldanlage-Index des DIVA (DIVAX-GA) liegt bei seiner jüngsten Messung im Winter 2025/26 mit 33,3 Punkten (möglich sind Werte zwischen -100 und +100) weiter auf hohem Niveau. Seit Erstauflage im Sommer 2020 (24,9 Punkte) ist der Index mit nur vereinzelt minimalen Rückgängen stetig gestiegen. Dies bringt, mit hoher Validität, zum Ausdruck, dass das Zutrauen der Deutschen zu den dem Index zugrunde liegenden, aktienbasierten Anlageformen zunimmt. Befragt werden halbjährlich 2.000 Bürgerinnen und Bürger.
Volatiles Umfeld hat wenig Einfluss
Die Stabilität im Meinungsbild ist beachtlich, da offensichtlich selbst signifikante Rücksetzer an der Börse das Vertrauen der Menschen in aktienbasierte Anlagen nicht (mehr) beeinträchtigen. Dies zeigt gerade die aktuelle Befragung, denn während des Befragungszeitraumes gab es wegen der plötzlichen geopolitischen Debatte rund um Grönland und die erneuten Strafzolldrohungen einen solchen Rücksetzer. Dazu der neue Wissenschaftliche Direktor des DIVA, Prof. Dr. Oliver Schellenberger: „Bei einem größeren Teil der Bevölkerung ist angekommen, dass Aktien und Aktienfonds ein langfristiges Anlageinstrument sind und politische Effekte meist nur von kurzer Dauer sind. Das zeugt von einem erfreulichen Zuwachs im Grundverständnis zu finanziellen Zusammenhängen. Man könnte auch sagen: Die Deutschen emanzipieren sich, was die Vermögensbildung angeht.“
Junge etwas skeptischer: Einmaleffekt oder Trend?
Auffällig im Vergleich zur Erhebung m Sommer 2025 ist die Veränderung in den Alters-Kohorten. So ist der Index bei den 18- bis 29-Jährigen von 53,9 auf 47,1 Punkte durchaus signifikant zurückgegangen, bei den Älteren ab 65 Jahren hingegen von 15,8 auf 19,8 Punkte gestiegen. „Im Trend sind die Jungen immer noch viel offener für aktienbasierte Anlagen als die Älteren. Worauf der Rückgang bei den Jüngeren zurückzuführen ist, dazu lässt sich nur spekulieren. Vielleicht gibt es doch einige, die sich an Einzelwerten die Finger verbrannt haben. Das wären aber vor dem Hintergrund der Finanzbildung durchaus heilsame Erfahrungen, solange man diese in jungen Jahren macht. Vielleicht spielt auch der Absturz von Kryptowährungen eine Rolle, obgleich diese nicht in die Befragung einbezogen sind, bei jungen Menschen und deren Geldanlage aber durchaus eine größere Rolle spielen“, mutmaßt Schellenberger.
Politik läuft hinterher
Schaut man auf die geplante Reform der privaten Altersvorsorge (Altersvorsorgereformgesetz), liegt die Politik einerseits richtig, andererseits läuft sie aber der Entwicklung wieder hinterher. Der Geldanlageindex und dessen Entwicklung zeigen nämlich deutlich, dass sich aktienbasierte Anlagen in der Bevölkerung längst auch ganz ohne gesetzgeberische Eingriffe mit beachtlicher Geschwindigkeit verbreiten. Dazu Oliver Mathais (Geschäftsführer des Bundesverbandes der Assekuranzführungskräfte VGA, einer der Trägerverbände des DIVA) „Es ist rundum zu begrüßen, dass nun nach mehreren vergeblichen Anläufen endlich die Schwachstellen der Riester-Vorsorge beseitigt werden sollen. Auch ist es erfreulich, dass das Fondssparen mehr in den Fokus rückt. Das wird die ohnehin bestehenden Trends verstärken. Jetzt müssen wir aber aufpassen, dass wir vor lauter Aktieneuphorie das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Denn im Gesetzentwurf gibt es mehrere Regelungen, die für die private Rentenversicherung nicht förderlich sind. Diese ist aber für viele Menschen immer noch der richtige Einstieg in die private Altersvorsorge“.
Persönliche Beratung bleibt wichtig
In diesen Kontext ist auch die persönliche Beratung einzuordnen. 72,4 Prozent der Befragten geben an, beim Vermögensaufbau Beratung zu wünschen. Und um den geht es beim Altersvorsorgereformgesetz mehr denn je. Die Politik setzt aber sehr stark auf niedrige Kosten, was mit qualifizierter Beratung nur schwer vereinbar ist. „Die Tatsache, dass nach dem neuen Gesetz die Kosten für Beratung auf die gesamte Vertragslaufzeit, also 25 Jahre und mehr, verteilt werden müssen, knebelt Beratung. Die Politik scheint zu glauben, dass es mit einem einfachen Standardprodukt gelingen kann, die Mehrheit der Bevölkerung ohne Beratung zum Abschluss zu bewegen, am besten über kostengünstige Neobroker. Dabei wird vergessen, dass immer noch die Mehrheit erst einmal aktiviert werden muss, also ohne Anstoß durch einen Berater gar nichts macht. So wird das Gesetz scheitern“, mahnt Schellenberger. Die Befragung gibt ihm recht: 76,2 Prozent der Befragten haben nicht vor, in nächster Zeit Geld über einen Neobroker anzulegen.
Die Umfrage ist Teil der aktuellen Ausgabe des Deutschen Geldanlage-Index (DIVAX-GA) und wurde im Auftrag des DIVA von INSA-CONSULERE durchgeführt. Geantwortet haben ca. 2.000 Personen in Deutschland. Alle Ergebnisse sind auf der Website des DIVA (https://diva.de/umfragen)zu finden.
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DIVA – Deutsches Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung
Das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) in Frankfurt am Main ist ein An-Institut der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) und versteht sich als Meinungsforschungsinstitut für finanzielle Verbraucherfragen. Es wird von vier namhaften Vermittlerverbänden getragen: dem Bundesverband Finanzdienstleistung AfW, VOTUM, dem Bundesverband Deutscher Vermögensberater (BDV) und dem Bundesverband der Assekuranzführungskräfte VGA. Die Wissenschaftliche Leitung liegt seit 1.1.2026 bei FHDW-Professor Prof. Dr. Oliver Schellenberger.
Deutscher Geldanlage-Index des DIVA (DIVAX-GA); Deutscher Altersvorsorge-Index (DIVAX-AV)
Im Rahmen seines Forschungsspektrums veröffentlicht das DIVA jeweils zweimal jährlich den Deutschen Geldanlage-Index (DIVAX-GA) und den Deutschen Altersvorsorge-Index (DIVAX-AV), die das Meinungsklima der Menschen in Deutschland zu diesen Finanzfragen messen. Sie werden ergänzt durch Sonderbefragungen zu Themen der Vermögensbildung und Alterssicherung, häufig mit Unternehmenspartnern. Veröffentlichungen des DIVA und weitere Informationen unter www.diva.de.
FHDW – Fachhochschule der Wirtschaft
Die private Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) wurde 1993 gegründet. Sie bietet an fünf Campussen duale und berufsbegleitende Bachelor- und Master-Studiengänge in den Bereichen Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik an. Neben der engen Verzahnung von Theorie und Praxis durch die Kooperation mit rund 800 Unternehmen bietet die FHDW kleine Studiengruppen, intensive Betreuung, effiziente Studienorganisation und attraktive Karrieremöglichkeiten. Im Sommersemester 2025 sind über 2.000 Studierende eingeschrieben. Sie werden von 40 Professoren und zahlreichen Lehrbeauftragten betreut. Seit ihrer Gründung hatte die FHDW knapp 11.000 Absolventinnen und Absolventen. Weitere Informationen unter www.fhdw.de.
Kontakt:
Prof. Dr. Oliver Schellenberger, Wissenschaftlicher Direktor
Deutsches Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung
Kleiner Hirschgraben 10-12, 60311 Frankfurt/Main
Tel. 069 2562 6998-0
[email protected] www.diva.de
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Quelle: ots
